Mehrbedarf bei Asylbewerberleistungen
Was ist der Mehrbedarf bei Asylbewerberleistungen?
Der Mehrbedarf ist eine zusätzliche, monatliche Leistung zum Regelsatz der Grundleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) für Menschen mit besonderen Lebensumständen, die zu einem erhöhten Bedarf führen. Diese Leistung wird auf Basis von § 6 AsylbLG als "sonstige Leistungen" gewährt, wenn sie im Einzelfall zur Sicherung des Lebensunterhalts oder der Gesundheit unerlässlich sind.

Wer hat Anspruch auf Mehrbedarf?
Anspruch auf Mehrbedarf haben Leistungsberechtigte nach dem AsylbLG, bei denen einer der folgenden Umstände vorliegt:
  • Schwangerschaft – insbesondere ab der 13. Schwangerschaftswoche. Dazu gehören auch Bedarfe wie Schwangerschaftskleidung und Erstausstattung für das Baby (z.B. Windeln, Wickeltasche).
  • Alleinerziehung – wenn Sie mit einem Kind unter 18 Jahren allein leben und dieses betreuen.
  • Krankheit oder Behinderung – wenn ein dauerhafter, medizinisch begründeter Mehrbedarf besteht.
  • Kostenaufwändige Ernährung – bei nachgewiesenen Erkrankungen, die eine spezielle Diät erfordern (z.B. Diabetes, Zöliakie).
  • Besondere Wohnsituation – z.B. wenn Sie in einer eigenen Wohnung leben und Kosten für Energie und Hausrat selbst tragen müssen.
Besonderheiten während der ersten 36 Monate (Grundleistungen)
  • Bedarfsstufen beachten: Die Grundleistungen sind nach Alter und Haushaltssituation gestaffelt. Ein Beispiel: Alleinstehende Erwachsene erhalten 2026 monatlich 455 € (253 € notwendiger Bedarf + 202 € notwendiger persönlicher Bedarf).
  • Erstattung konkreter Kosten: Zusätzliche Bedarfe werden in der Regel nicht pauschal, sondern als konkrete Sachleistungen oder Kostenübernahmen gewährt. So wird bei Schwangerschaft nicht pauschal ein Prozentbetrag zum Regelsatz gezahlt, sondern der tatsächliche Bedarf – etwa die Anschaffung von Babykleidung – wird mit einem Gutschein oder Sachleistungen gedeckt. Dies ist auch eine wichtige Abgrenzung zum System der Sozialhilfe (SGB XII), wo Schwangerschaftsmehrbedarf geregelt pauschaliert wird.
  • Wohnen in Gemeinschaftsunterkunft: Wenn Sie in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen und dort Mahlzeiten und Heizung gestellt werden, kann ein Teil der Leistung als Sachleistung erbracht werden. Dann reduziert sich der auszuzahlende Barbetrag entsprechend.
  • Bezahlkarte: Ein Teil der Leistungen wird über eine Bezahlkarte bereitgestellt. Das monatliche Bargeldabhebungslimit liegt bei 50 €. Bei nachgewiesenem Mehrbedarf kann dieses Limit im Einzelfall angehoben werden.
Nach 36 Monaten (Analogleistungen) – bessere Absicherung
Wenn Sie sich seit 36 Monaten ununterbrochen in Deutschland aufhalten und die Verzögerung Ihres Verfahrens nicht selbst zu vertreten haben, wechseln Sie in den Bereich der Analogleistungen nach § 2 AsylbLG. Diese Leistungen sind in Art und Höhe an die Sozialhilfe (SGB XII) angeglichen.
  • Höhere Regelsätze: Sie erhalten dann nicht mehr die niedrigeren AsylbLG-Beträge, sondern die Regelbedarfsstufen des SGB XII (z.B. 563 € für Alleinstehende). Darüber hinaus gelten die erweiterten Anspruchsregelungen der Sozialhilfe auch für die Anerkennung von Mehrbedarfen.
  • Minderjährige profitieren besonders: Seit Juni 2026 wurde das AsylbLG angepasst: Für minderjährige Leistungsempfänger gelten nun die vollen sozialhilferechtlichen Regelungen für die Gesundheitsversorgung – einschließlich Vorsorge, Früherkennung und Schutzimpfungen.
Anspruchsberechtigt sind alle Leistungsberechtigten nach dem AsylbLG mit einem besonderen, individuell nachgewiesenen Bedarf (Schwangerschaft, Behinderung, Alleinerziehung, kostenaufwändige Ernährung etc.). Der Mehrbedarf muss beantragt und durch entsprechende Nachweise belegt werden – er wird nicht automatisch gewährt.


Wie hoch sind die Mehrbedarfe?
In den ersten 36 Monaten (Grundleistungen):
Der Mehrbedarf wird als Prozentsatz des notwendigen Bedarfs Ihrer Bedarfsstufe berechnet.

Situation

Prozentsatz

Beispiel für Alleinstehende (Stufe 1, notwendiger Bedarf 253 €)

Schwangerschaft

17 %

≈ 43 €

Alleinerziehend

36 %

≈ 91 €

Zusätzlich pro Kind

12 % (max. 60 %)

≈ 30 € pro Kind

Behinderung (G oder aG)

17 %

≈ 43 €

Kostenaufwändige Ernährung

Nach Einzelfall (5–30 % oder nach tatsächlichen Kosten + ärztlichem Attest)

Individuell


Nach 36 Monaten (Analogleistungen):
Es gelten die vollen Sätze analog zum Bürgergeld / SGB XII (Berechnungsbasis: 563 € für Alleinstehende).

Situation

Betrag pro Monat

Berechnung

Schwangerschaft

95,71 €

17 % von 563 €

Alleinerziehend

202,68 €

36 % von 563 €

Zusätzlich pro Kind

67,56 €

12 % von 563 €

Behinderung (G oder aG)

95,71 €

17 % von 563 €

Kostenaufwändige Ernährung

Nach Einzelfall (bis zu 30 % und mehr nach Entscheidung im Einzelfall)

Individuell


Wichtiger Hinweis:
Die Mehrbedarfe werden nicht automatisch gewährt. Sie müssen beim Sozialamt beantragt und durch entsprechende Nachweise (z. B. ärztliches Attest, Schwerbehindertenausweis, Geburtsurkunden der Kinder) belegt werden

Fristen
  • Antragstellung: Der Antrag kann jederzeit gestellt werden – am besten gleichzeitig mit dem Hauptantrag auf AsylbLG-Leistungen oder sobald der Anspruchsgrund entsteht (z. B. Bekanntwerden der Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, Erhalt eines ärztlichen Attests).
  • Bearbeitungsdauer: In der Regel 2 bis 6 Wochen. Die Entscheidung kann zusammen mit dem Hauptbescheid oder als separates Schreiben ergehen.
  • Leistungsbeginn: Die Mehrbedarfe werden ab dem Zeitpunkt des Anspruchs gezahlt (z. B. ab der 13. Schwangerschaftswoche), sofern der Antrag rechtzeitig gestellt wurde. Eine rückwirkende Zahlung ist möglich, jedoch nur, wenn der Antrag nicht unnötig verzögert wurde.
  • Widerspruchsfrist: Bei Ablehnung kann innerhalb von einem Monat nach Zustellung des Bescheids Widerspruch eingelegt werden.
Typische Fehler
  • Kein separater Antrag auf Mehrbedarf gestellt: Viele gehen fälschlicherweise davon aus, dass der Mehrbedarf automatisch gewährt wird – das ist nicht der Fall. Dies ist der häufigste Fehler.
  • Fehlende ärztliche Atteste oder Nachweise: Ohne entsprechende Dokumente (z. B. ärztliche Bescheinigung, Schwerbehindertenausweis) wird der Antrag nicht bearbeitet.
  • Widerspruchsfrist versäumt: Nach Ablauf eines Monats wird der Bescheid bestandskräftig – eine spätere Änderung ist nur bei erheblichen Verschlechterungen möglich.
  • Behörde kürzt oder lehnt mit Verweis auf AsylbLG ab: Insbesondere in den ersten 36 Monaten kommt es häufig vor, dass das Sozialamt den Mehrbedarf mit dem Hinweis "AsylbLG" ablehnt oder kürzt. Dies ist jedoch häufig anfechtbar – ein Widerspruch lohnt sich.
  • Änderungen nicht mitgeteilt: Ende der Schwangerschaft, Wegfall der Diät, Vollendung des 7. Lebensjahres des Kindes etc. – unterlassene Mitteilungen können zu Rückforderungen führen.
  • Ablehnung ohne Widerspruch akzeptiert: Viele verzichten aus Frustration auf einen Widerspruch – zu Unrecht. Vor dem Sozialgericht haben solche Fälle häufig Erfolg, weil die Behörden das AsylbLG oft zu restriktiv auslegen.
Пошаговая инструкция

Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Mehrbedarf nach dem AsylbLG

Schritt 1: Nachweise sammeln
Je nach Anspruchsgrund benötigen Sie folgende Dokumente:

Anspruchsgrund

Erforderliche Nachweise

Schwangerschaft

Ärztliche Bescheinigung (z. B. Mutterpass, ärztliches Attest über die Schwangerschaft und den voraussichtlichen Entbindungstermin)

Alleinerziehend

Geburtsurkunden der Kinder + Nachweis über die alleinige Sorge (z. B. Sterbeurkunde des Ehepartners, Sorgerechtsbeschluss, Negativbescheinigung über das Nichtvorliegen einer häuslichen Gemeinschaft)

Kostenaufwändige Ernährung

Ärztliches Attest mit genauer Diagnose und Berechnung der monatlichen Mehrkosten (z. B. bei Zöliakie, Diabetes, Nierenerkrankungen)

Behinderung / Gehbehinderung

Schwerbehindertenausweis mit den entsprechenden Merkzeichen (z. B. G – erhebliche Gehbehinderung, aG – außergewöhnliche Gehbehinderung)


Schritt 2: Sozialamt / Asylleistungsstelle kontaktieren
Wenden Sie sich an die für Sie zuständige Stelle – in der Regel die Asylleistungsstelle des Sozialamts an Ihrem Wohnort (dieselbe Behörde, bei der Sie auch Ihre Grundleistungen beziehen).

Schritt 3: Antrag stellen
Das Formular heißt „Antrag auf Mehrbedarf nach § 6 AsylbLG“. Sie erhalten es vor Ort oder können es von der Webseite Ihrer Kommune herunterladen.
  • Geben Sie an, welche Art von Mehrbedarf Sie beantragen.
  • Fügen Sie alle erforderlichen Nachweise bei (siehe Schritt 1).
Schritt 4: Bescheid abwarten
Sie erhalten einen schriftlichen Bescheid – entweder als eigenständigen Bescheid oder als Ergänzung zu Ihrem Hauptbescheid. Prüfen Sie sorgfältig:
  • Höhe des bewilligten Mehrbedarfs
  • Beginn der Zahlung
  • Dauer der Bewilligung (bei befristeten Gründen wie Schwangerschaft)
Schritt 5: Bei Ablehnung oder zu niedriger Zahlung
Legen Sie innerhalb von einem Monat nach Zustellung des Bescheids Widerspruch ein (siehe Vorlage unten). Wird der Widerspruch abgelehnt, können Sie Klage beim Sozialgericht erheben (Frist: ebenfalls 1 Monat).
Schritt 6: Änderungen mitteilen
Ändert sich Ihre Situation (z. B. Ende der Schwangerschaft, Wegfall der Diät, Änderung des Pflegegrades oder der Merkzeichen), müssen Sie dies der Behörde innerhalb eines Monats mitteilen. Andernfalls droht eine Rückforderung zu viel gezahlter Beträge.
Wenn zusätzliche Unterlagen angefordert werden
Nachdem Sie Ihren Antrag gestellt und die Behörde diesen bereits teilweise geprüft hat, kann es sein, dass Sie zur Vorlage weiterer Dokumente aufgefordert werden. Ein schwerwiegender Fehler wäre es, die angeforderten Unterlagen ohne ein Begleitschreiben einfach weiterzuleiten.
In solchen Fällen können die Sachbearbeiter die Dokumente keinem konkreten Vorgang zuordnen, sie nicht mit der entsprechenden Aktennummer in Verbindung bringen, die Frist als nicht gewahrt ansehen und den Antrag mit der Begründung „Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht“ ablehnen.
Daher ist es zwingend erforderlich, zusätzliche Unterlagen immer mit einem Begleitschreiben einzureichen. pdf word.doc
Wurde Ihre Zahlung abgelehnt oder war sie zu niedrig, legen Sie Widerspruch ein.

Frist: 1 Monat ab Erhalt des Bescheids (bei fehlender Belehrung 1 Jahr). Nutzen Sie unsere Widerspruchsvorlage.
30–40 % der Widersprüche sind erfolgreich.
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