Eine Wohnung finden und mieten
Ein umfassender Leitfaden für Expats, Studenten und alle Neuankömmlinge
Schritt 0: Vorbereitung

Bevor Sie sich überhaupt die ersten Immobilienanzeigen ansehen, sollten Sie alle erforderlichen Unterlagen zusammenstellen. Der deutsche Mietmarkt ist stark formalisiert – und die Nachfrage ist hoch. Ohne einen vollständigen Dokumentenpaket haben Sie bei einer geeigneten Wohnung kaum eine Chance.
1. Budget:
  • Mietbelastung: Makler und Vermieter erwarten in der Regel, dass die Kaltmiete maximal 30 % Ihres monatlichen Nettoeinkommens beträgt. Falls Sie einen Bürgen haben, wird auch dessen Einkommen berücksichtigt.
  • Zusätzliche monatliche Kosten (Nebenkosten / Warmmiete): Hierzu zählen Betriebskosten (Wasser, Heizung, Müllabfuhr) sowie der Rundfunkbeitrag (früher GEZ, jetzt ARD ZDF Deutschlandradio Beitrag). Die Warmmiete = Kaltmiete + Nebenkosten.
  • Kaution (Mietkaution): Bei Vertragsabschluss hinterlegen Sie in der Regel eine Kaution in Höhe von 2 bis 3 Kaltmieten. Diese kann in drei monatlichen Raten gezahlt werden.
2. Unterlagen (Mieterselbstauskunft):
Fassen Sie alle folgenden Dokumente in einer einzigen PDF-Datei zusammen, um sie bei Anfragen sofort versenden zu können.
  • Ausgefüllte Mieterselbstauskunft – das offizielle Formular mit Ihren persönlichen Angaben.
  • Kopie Ihres Reisepasses / Personalausweises – bei Bedarf auch eine Kopie des Aufenthaltstitels.
  • Einkommensnachweis:
  • Für Arbeitnehmer: Arbeitsvertrag + die letzten 3 Gehaltsabrechnungen.
  • Für Studierende: Immatrikulationsbescheinigung + Finanzierungsnachweis (z. B. Sperrkonto-Auszug oder Elternbürgschaft).
  • Für Selbstständige / Freiberufler: Steuerbescheide der letzten 2–3 Jahre sowie aktuelle Kontoauszüge.
  • SCHUFA-Auskunft – Das wichtigste Dokument! Es zeigt Ihre Kreditwürdigkeit. Sie können sie online unter www.meineschufa.de (kostenpflichtig, ca. 29,95 €) oder manchmal auch direkt bei Ihrer Bank beantragen. Bestellen Sie sie kurz vor der Wohnungssuche, da sie nur etwa einen Monat gültig ist.
  • Mietschuldenfreiheitsbescheinigung – eine Empfehlung des vorherigen Vermieters, dass Sie stets pünktlich gezahlt haben. Falls Sie bereits in Deutschland gemietet haben, bitten Sie Ihren alten Vermieter um dieses Schreiben.
Schritt 1: Wohnungssuche

Die wichtigsten Plattformen:
  • ImmoScout24 – Die größte und bekannteste Immobilienplattform in Deutschland. Empfehlenswert ist ein Premium-Account für einen Monat, da Ihre Anfragen dann bevorzugt angezeigt werden und Vermieter sie als Erstes sehen.
  • Immowelt – Die zweitgrößte Plattform mit ebenfalls vielen Angeboten.
  • WG-Gesucht – Die beste Plattform für die Suche nach WG-Zimmern (Wohngemeinschaften), aber auch ganze Wohnungen werden dort angeboten.

Lokale Zeitungen und deren Webseiten – z. B. in Berlin die Berliner Morgenpost.

Immobilienmakler – Sie haben Zugang zu exklusiven Angeboten. Ihre Dienstleistungen sind jedoch in der Regel kostenpflichtig für den Mieter (sofern nicht anders vereinbart). Die Provision kann bis zu 2–3 Monatsmieten betragen.

Schritt 2: Besichtigungstermin

Sie haben eine Einladung zur Besichtigung erhalten:

Stellen Sie die richtigen Fragen an den Vermieter oder Makler:
  1. Warum sind die Vormieter ausgezogen?
  2. Was ist in den Nebenkosten enthalten? Ist die Heizung inklusive? Ist Internet verfügbar?
  3. Kann man sich an dieser Adresse anmelden (Wohnsitzanmeldung)? Das ist sehr wichtig!
  4. Gibt es die Möglichkeit, einen Parkplatz anzumieten?
  5. Welche Regelungen gelten für Haustiere (falls zutreffend)?
Besichtigen Sie die Wohnung genau:

  1. Prüfen Sie die Funktion von Wasserhähnen, Dusche und Toilette.
  2. Achten Sie an den Fenstern auf Zugluft.
  3. Schalten Sie das Licht ein und aus.
  4. Achten Sie auf Anzeichen von Schimmel, insbesondere in Ecken, hinter Möbeln und im Badezimmer.
  5. Fragen Sie nach der Dämmung und wer die Reinigung der Gemeinschaftsflächen (Hausreinigung) übernimmt.
Schritt 3: Vertragsabschluss und Einzug

1. Zusage erhalten:
Wenn Sie beim Vermieter gut angekommen sind, erhalten Sie telefonisch oder per E-Mail eine mündliche Zusage. Danach wird Ihnen der Mietvertrag zugesandt.
2. Mietvertrag prüfen:
Lesen Sie den Vertrag vor der Unterzeichnung sorgfältig durch! Falls der Vertrag auf Deutsch zu komplex ist, holen Sie sich Hilfe von Freunden, Bekannten oder einem Berater.
Die wichtigsten Vertragsbestandteile:
  • Vertragsparteien (Vermieter und Mieter)
  • Mietzins – Kaltmiete, Nebenkosten und die sich daraus ergebende Warmmiete
  • Kaution – Höhe und Zahlungsmodalitäten
  • Kündigungsfrist – in der Regel 3 Monate
  • Übergabeprotokoll – das ist neben dem Mietvertrag das wichtigste Dokument!
3. Vertragsunterzeichnung und Schlüsselübergabe:
Dies findet in der Regel direkt in der Wohnung statt.
  • Gemeinsam mit dem Vermieter oder Makler wird das Übergabeprotokoll sorgfältig ausgefüllt.
  • Gehen Sie die Wohnung gemeinsam durch und dokumentieren Sie ALLE vorhandenen Mängel: Kratzer im Boden, Sprünge im Waschbecken, Flecken an den Wänden, defekte Steckdosen.
  • Machen Sie Fotos oder ein Video – das schützt Sie vor späteren Streitigkeiten bei Ihrem Auszug!
Erst nachdem das Protokoll unterschrieben wurde, zahlen Sie die Kaution und erhalten die Schlüssel.
Schritt 4: Nach dem Einzug

  • Wohnsitzanmeldung: Innerhalb der ersten 1–2 Wochen sind Sie verpflichtet, sich im Bürgeramt anzumelden. Vereinbaren Sie den Termin rechtzeitig online, da die Wartezeiten oft lang sind. Benötigt werden: Mietvertrag, Wohnungsgeberbestätigung und Reisepass.
  • Rundfunkbeitrag (ARD ZDF Deutschlandradio): Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie ein Schreiben mit der Aufforderung, sich anzumelden und den monatlichen Beitrag (ca. 18 €) zu zahlen. Dies ist eine Pflicht pro Haushalt – nicht pro Wohnung.
  • Hausratversicherung: Nicht verpflichtend, aber dringend empfohlen. Sie deckt Schäden durch Einbruch, Feuer, Leitungswasser usw. ab.
  • Versorgung (Strom, Gas, Internet): Nebenkosten decken meist Wasser, Heizung und Müllabfuhr. Internet, Telefon und ggf. Kabel-TV müssen Sie selbst anmelden.
Wichtige Besonderheiten und Fallstricke
  • Einbauküche: In Deutschland werden Wohnungen oft ohne Küche vermietet. Seien Sie darauf vorbereitet, sie selbst einbauen zu müssen – oder zu übernehmen.
  • Parkettboden und weiße Wände: Deutsche Vermieter legen großen Wert auf gepflegte Böden und Wände. Beim Auszug wird oft eine vollständige Renovierung verlangt – das kann teuer werden.
  • Schimmel (Schimmel): Wegen guter Isolierung ist regelmäßiges Stoßlüften wichtig. Tritt Schimmel durch unzureichende Belüftung auf, können die Reparaturkosten von Ihrer Kaution abgezogen werden.
  • Mieterrechte: In Deutschland sind Mieter gut geschützt. Eine Mieterhöhung oder Kündigung ist nicht willkürlich möglich. Bei Problemen hilft der Mieterverein – eine Mitgliedschaft (jährlicher Beitrag) bietet Ihnen rechtliche Unterstützung.
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